15.01.2026

Enttäuschung über eine Sackgasse

Wir träumten, planten — aber plötzlich...

Zum Jahresausblick konnte ich mich nicht motivieren. Die Aussichten fühlen sich nicht rosig an. Letzte Woche musste ich meinem Team sagen, dass wir unser Projekt abbrechen müssen. Das tat weh. Wir hatten geträumt, gehofft, monatelang geplant und vorbereitet und plötzlich traf uns dieses abrupte Ende. Eine bittere Enttäuschung. Nachdem die erste Welle Protest abklang, versuchte ich mit ehrlicher Reflexion, die Ursachen zu verstehen.

Ursachen verstehen

Die Ursache war wohl ein Missverständnis mit den Verantwortlichen. Wir hatten um Erlaubnis gebeten, aber wohl nicht an der richtigen Adresse oder auf die richtige Weise. Das Sender-Empfänger Modell veranschaulicht, dass eine Botschaft unterwegs zwischen Sender und Empfänger vielen Störungen erliegen kann. Wieder bewahrheitet sich der weise Spruch einer Jugendleiterin: „Missverständnisse sind die Regel, nicht die Ausnahme.“ Wie wichtig klare Kommunikation doch ist! Ich möchte üben, zurückzufragen: „Ich habe gehört, … Ist es das, was du meintest?“ Vielleicht hilft mir das in der Zukunft, Missverständnisse zu reduzieren.

Enttäuschung unvermeidlich

Enttäuschungen jedoch sind unvermeidlich. Fehler passieren, sowohl mir, als auch anderen. Erwartungen konfligieren. Und dann gibt es manchmal noch höhere Gewalt, wie Schneetreiben, das Hochzeitsgästen den Weg zur Feier verwehrt. Was macht mir Mut, wenn Pläne zerbrechen und bisherige Mühe vergeblich erscheint? Und wie kann ich meinem Team Mut machen?

Wünsche übertroffen

Letztes Jahr war ich an einem Tag sehr enttäuscht. Eigentlich war es banal: Es ging um die Einrichtung des Wohnzimmers. Stundenlang hatte ich nach gebrauchten Teppichen gesucht, und dann war mein Favorit doch nicht zu haben. Ich ärgerte mich. Dieser hätte so schön in das Wohnzimmer gepasst! Warum ausgerechnet…? Wie so oft, half die Warum-Frage nicht weiter. Trotzdem klagte ich weiter. Mein Gesprächspartner erwiderte: „Wie wär’s, wir bitten Gott um einen noch besseren Teppich? Er kann deine Wünsche übertreffen!“ Ich witzelte noch über seinen großen Glauben, aber ließ es zu. Und staunte sehr, als wenige Tage später ein echter Designerteppich aus Wolle gebraucht zum Verkauf stand, der farblich noch viel besser zur Einrichtung passt und seitdem das Wohnzimmer schmückt. Meine Mentorin schreibt: „Ich stelle oft fest, dass mein Plan B Gottes Plan A war.“

Vorhaben loslassen

So hoffe ich auch, dass diese Enttäuschung noch nicht das endgültige Ende des Projekts darstellt. Manchmal muss man aber auch loslassen und Vorhaben aufgeben. Ich versuche es. Es verfolgt mich nachts im Traum. Ich grüble weiterhin und finde doch keine Lösung. Letztlich vertraue ich mich und das Projekt immer wieder Gott an, erzähle ihm davon, der mich zutiefst versteht. Und erinnere mich daran, dass Er mein Chef ist und Sein Wille wichtiger ist als meiner.

Mitgefühl zeigen

Meinem Team habe ich die Lage erklärt, die Enttäuschung benannt und Mitgefühl gezeigt. In schlauen Büchern habe ich gelesen, dass Gefühle zu benennen ihre Wucht abmildert. Ich habe sie gelobt und ihnen gedankt für ihre bisherige Mühe. Als Tonfall wählte ich einen fröhlichen. Sie können nichts dafür, und sie verdienen Wertschätzung. Diese Sackgasse bedeutet nicht das Ende der Zusammenarbeit, lediglich einen Richtungswechsel, eine Schwerpunktverlagerung.

Gutes erwarten

Wenn ich schon Wertschätzung und tröstende Worte für mein Team finde, dann bestimmt auch Gott für uns. Wenn Gott der Chef meines Lebens ist, dann auch meines Dienstes, Arbeitens und Ehrenamts. Dann hat er einen Plan mit mir und trotz meiner Fehler und sämtlicher Missverständnisse, Enttäuschungen und Sackgassen. Unter seiner Leitung und mit seiner Hilfe und Trost wird dieses Jahr bestimmt besonders. Denn ihm liegt an uns. „Denn ich kenne ja die Pläne, die ich über euch plane, spricht der Herr. Pläne des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu gewähren.“ Jeremia 29,11.

Von Sonja Plapper