15.05.2025

Vom Glück, beten zu dürfen

Gott will dir so viel schenken

Beten zu dürfen, ist ein echtes Privileg. Wenn ich bete, dann spreche ich mit dem, der den Himmel und die Erde geschaffen hat. Ich habe einen direkten Zugang zu Gott, der mein Vater sein will. Bei ihm habe ich einen Ort, an dem ich alle Masken fallen lassen darf und einfach so wie ich bin, sein darf. Mit allem, was mich bedrückt und mit allem, was mich beglückt. Er nimmt sich so viel Zeit, wie ich brauche und ist gerne für mich da. Jedes Gebet, das ich spreche, auch jedes Gebet ganz ohne Worte, hört er und nimmt er wahr. Es verdunstet nicht auf dem Weg zu Gottes Herzen: es kommt bei ihm an. Jedes Gebet berührt sein Herz. Jedes Gebet bewegt sein Herz. Gebet ist keine Last – es ist ein Privileg.

Gott schafft uns Raum

Manchmal sprechen wir davon, dass wir ja zu wenig Zeit mit Gott verbringen und mehr Gebet doch so viel besser wäre. Als würden wir beten müssen, damit Gott zufrieden ist. Aber er ist es – Gott geht es gut. Beim Gebet geht es so viel mehr um uns, die wir seine Gegenwart brauchen. Es ist ein Geschenk, das Gott uns gibt. Es ist ein Privileg, beten zu dürfen. Er hätte uns diesen Raum gar nicht schaffen müssen, im Gegenteil: er hätte sich schützen können, um nicht von all den Menschen auf der Welt belagert und vielleicht auch belastet zu werden. Aber er bietet diesen Raum an, weil er uns begegnen will und zuhören will und uns ermutigen will und stärken will. Er will die Begegnung mit uns und dafür erschafft er uns diese heilige Möglichkeit, mit ihm in Kontakt zu kommen: das Gebet.

Ich bin davon überzeugt, dass alles Gebet ist, was ich in Beziehung und Begegnung mit Gott tue. Das können die unterschiedlichen Gebetsformen sein: Stille, Lobpreis, Staunen in Gottes Schöpfung, Fürbitte, Dank, Anbetung und so viel mehr. Wir können uns ganz freimachen von irgendwelchen Formen, wie Gebet aussehen müsste. Gebet ist: Zeit mit Gott, auf welche Art auch immer.

Selbst Jesus braucht Zeit mit Gott

Stark finde ich irgendwie, dass Jesus nicht nur zum Beten ermutigt, sondern es auch wirklich selber als Privileg begreift. An einigen Stellen in der Bibel wird über Jesus geschrieben, dass er sich von seinen Jüngern und anderen Menschen entfernt hat, um in Ruhe mit Gott zu sprechen: auf einem Berg, oder auch in der Wüste, im Garten. Er suchte und fand Gelegenheiten – vermutlich sehr regelmäßig – um mit Gott ins Gespräch zu kommen. Das war seine Quelle der Kraft und der Stärke, die er brauchte, um seine Mission auf der Erde zu erfüllen. Ohne diese starke Verbindung, sah er sich gar nicht in der Lage, ein erfülltes und starkes Leben zu führen. Ich dagegen habe das Gebet nicht immer als Privileg auf dem Schirm und denke vielleicht sogar, dass ich durch eigene Anstrengung etwas gut hinbekomme. Hm, irgendwie echt eine anmaßende Haltung, oder? Wenn Jesus schon Gebet so dringend nötig hatte – dann mit Sicherheit auch ich.

Aber nicht nur nötig – warum sollte ich auf etwas freiwillig verzichten, wenn es so viel Glück schenkt? In einem Lied, in Psalm 73,28, schreibst Asaf diese berührenden Worte zu Gott: „Dir nahe zu sein ist mein ganzes Glück.“ Er hat erlebt, dass er in Gottes Gegenwart eine tiefe Freude erfahren und großes Glück gefunden hat. Es ist also keine Addition zu einem glücklichen Leben – es ist sein Leben. Die Beziehung zu Gott ist die Grundlage für sein Leben; sein Fundament, das trägt. Warum sollte er auf Gebet verzichten?

Gott will mir so viel schenken

Da ist Gott, mein Schöpfer, der Zeit für mich hat und mich einlädt, in seinen Raum zu kommen. Er will zuhören, trösten, heilen, Wahrheit sprechen, ermutigen und stärken. All das entgeht mir, wenn ich diese Möglichkeiten, Gott zu begegnen, in meinem Alltag verpasse oder ich andere Dinge für sehr viel wichtiger erachte.

Gebet ist ein Privileg: Zeit mit unserem Vater im Himmel. Was für ein Glück, beten zu dürfen!

 

von Nelli Bangert