15.09.2026
Was Jeremia uns über Vertrauen nach einem trockenen Sommer lehrt
Der Sommer geht. Der Herbst kommt.

© Foto von Aaron Burden auf Unsplash
Mit dem September verändert sich die Natur spürbar. Die große Sommerhitze ist vorbei, kühlere Nächte bringen Erleichterung, und die ersten Regenfälle lassen die Luft aufatmen. Dennoch tragen viele Wiesen noch das Braun des Sommers, manche Bäume haben bereits Blätter verloren, und die ausgetrockneten Böden zeigen, wie sehr die vergangenen Monate von Trockenheit geprägt waren. Der Regen tut gut, doch die Spuren der Dürre verschwinden nicht von heute auf morgen.
Diese Bilder haben mich an ein Wort aus Jeremia 17 erinnert. In Vers 8 lesen wir: „Diese Person ist wie ein Baum, der am Ufer gepflanzt ist. Ihre Wurzeln sind tief im Bachbett verankert: Selbst in glühender Hitze und monatelanger Trockenheit bleiben ihre Blätter grün.“
Wenn wir jetzt durch die Landschaft gehen, erkennen wir, wie treffend dieses Bild ist. Zwar fällt endlich wieder Regen, doch vielerorts sind die Folgen des Wassermangels noch sichtbar. Umso erstaunlicher erscheint die Verheißung Jeremias: Ein Baum bleibt grün, obwohl die Hitze lange anhielt und die Trockenheit ihre Spuren hinterließ. Wie kann das sein?
Das Geheimnis der Quelle
Das Geheimnis liegt nicht in seiner besonderen Stärke, sondern in seiner Quelle. Seine Wurzeln reichen tiefer als die sichtbare Oberfläche. Während andere Pflanzen nur von dem leben, was einzelne Regenschauer bringen, schöpft dieser Baum beständig aus dem Wasser, das unter der Erde fließt. Darum bleibt er auch dann versorgt, wenn schwierige Zeiten länger andauern.
Genau dieses Bild verwendet Jeremia für einen Menschen, der auf den Herrn vertraut. Auch wir erleben Zeiten, die sich wie eine geistliche oder emotionale Dürre anfühlen können. Sorgen um die Familie, gesundheitliche Herausforderungen, Einsamkeit, Konflikte, Druck im Beruf oder die Verantwortung für andere können uns viel Kraft kosten. Manchmal merken wir die Folgen belastender Zeiten noch lange, nachdem die schwierigste Phase bereits vorüber ist.
Jeremia macht deutlich: Ein Leben mit Gott bedeutet nicht, dass Herausforderungen ausbleiben. Der Baum erlebt dieselbe Hitze und Trockenheit wie seine Umgebung. Der Unterschied liegt nicht in den Umständen, sondern in seiner Verwurzelung. Wer sein Vertrauen auf Gott setzt, findet in ihm eine Quelle, die nicht versiegt. Gottes Nähe, seine Zusagen und seine Treue tragen auch dann, wenn wir die Auswirkungen schwerer Zeiten noch deutlich spüren.
Jeremia wusste, wovon er schrieb
Besonders bemerkenswert ist, dass Jeremia diese Worte nicht aus einem sorgenfreien Leben heraus schrieb. Er saß nicht an einem friedlichen Bachlauf und dachte über Vertrauen nach. Sein eigenes Leben war von Ablehnung, Einsamkeit und Leid geprägt. Er wurde verspottet, bedroht, ins Gefängnis geworfen und sogar in eine schlammige Zisterne gesperrt. Immer wieder musste er erleben, dass die Menschen seine Botschaft nicht hören wollten. Jeremia wusste also sehr genau, wie sich die Dürrezeiten des Lebens anfühlen.
Und das gilt für uns heute
Gerade deshalb haben seine Worte ein besonderes Gewicht. Er schreibt nicht als Theoretiker, sondern als jemand, der selbst erfahren hat, dass Gottes Treue auch dann trägt, wenn die Umstände schwierig sind. Die ersten Regenfälle des Septembers erinnern uns daran, dass neue Hoffnung wachsen kann. Doch sie erinnern uns auch daran, dass echte Kraft nicht aus günstigen Umständen kommt, sondern aus einer verlässlichen Quelle.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob Zeiten der Hitze und Trockenheit kommen werden – sie kommen. Die entscheidende Frage ist, wo unsere Wurzeln verankert sind. Wer seine Hoffnung auf Gott setzt, darf erfahren, dass seine Versorgung auch dort reicht, wo die Spuren der Dürre noch sichtbar sind.
Von Dr. Daniela Knauz